Mieter von der Bauaufsicht des Bezirks Tempelhof-Schöneberg im Stich gelassen?

Viele Mieter in der Gleditschstraße warten schon lange vergeblich darauf, dass teils erhebliche Mängel beseitigt werden. Nach der Modernisierungsankündigung haben sich einige an die zuständigen Behörden gewandt. Die Bauaufsicht kündigte daraufhin an, sich die Mängel anzusehen. Viele Mängel wurden jedoch offenbar nur oberflächlich begutachtet, andere komplett ignoriert. Jetzt fürchten die Mieter, dass sie für eine teure Modernisierung bezahlen sollen, die Mängel aber bleiben oder zunehmen.

Am Montag vergangener Woche haben sich fast ein Dutzend Bewohner, Sachverständige und Vertreter der Hausverwaltung die gemeldeten Mängel angesehen – unter der Leitung eines Mitarbeiters der „Arbeitsgruppe 1 Bauaufsicht OT Schöneberg und Friedenau“ des Bezirks Tempelhof-Schöneberg. Was die Bewohner dabei erlebt haben, hat ihr Vertrauen in die Behörde erschüttert.

Von 17 gemeldeten Mängeln eines Bewohners wurden bei der behördlichen Begehung offenbar ganze 4 begutachtet. Ein Kommentar zu einer seit Jahren durch den Vermieter nicht reparierten Fensterscheibe sowie vorschnelle Schuldzuweisungen zu Schimmelpilzerscheinungen an die Mieter haben zudem den Eindruck entstehen lassen, dass der Vertreter der Bauaufsicht keine neutrale Position einnimmt, sondern auf der Seite der Hausverwaltung steht. Angemahnt wurde von der Bauaufsicht schließlich nur die Reparatur einer Dachrinne und eines erheblichen Risses in einer Außenmauer.

Fragwürdige Messmethode im möglicherweise feuchten Keller

Am verheerendsten fanden die Bewohner der Gleditschstraße jedoch das Vorgehen bei einer Messung im Keller des Gebäudes. Dort hatten die Mieter mehrere Wände gemeldet, die offenbar feucht bis nass sind. Gemessen habe der Vertreter der Bauaufsicht die Feuchtigkeit dann jedoch nur an einer Innenwand – und dabei keine Auffälligkeiten festgestellt; der feuchte Sockelbereich sei „bauzeitlich normal“. Nicht gemessen habe der Behördenmitarbeiter an den von Feuchtigkeit sehr viel stärker betroffenen Außenwänden.

Auffällige Messwerte hatte dagegen eine sachkundige Mieterin rund drei Wochen zuvor ermittelt. Mit einem professionellen Messgerät hatte sie an drei Außenwänden dieses Kellers Werte gemessen, die auf „sehr feuchte“ bis „nasse“ Wände hindeuten. Die ausführliche Dokumentation dieser Messungen und zahlreiche Fragen wurden der Bauaufsicht geschickt, aber von dieser bisher nicht beantwortet.

Dämmung trotz Feuchtigkeit im Keller?

Die Mieter, darunter auch Familien mit kleinen Kindern, befürchten, dass durch die vom Vermieter geplante Dämmung die Feuchtigkeit im Gebäude eingeschlossen wird und sie in Zukunft noch größere Probleme mit feuchten Wänden haben werden. Schon jetzt sei es so, dass es zumindest in einem Gebäude vom Keller bis zum Dach teils großflächige Verfärbungen und Ablagerungen gebe, die auf Schimmel hindeuten. Durch die geplante Dämmung könnte sich das Problem verschärfen. Deshalb raten Fachleute dazu, Keller vor einer Dämmung gründlich auf Feuchtigkeit zu untersuchen und vorhandene Feuchtequellen trockenzulegen. Von einer „gründlichen Prüfung“ dürfte in der Gleditschstraße wohl kaum die Rede sein, wenn eine weitere Begehung durch die Bauaufsicht ausbleibt und die zuständige Behörde den vorliegenden Bauantrag zur Dämmung und anderer Maßnahmen ohne weitere Prüfung genehmigt.

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