Drohungen und Papierkrieg statt Dialog

Modernisierungsankündigung mit RückumschlagVersprochen hatte die Hausverwaltung baldige Gespräche. Bekommen haben die rund 200 von einer Luxus-Modernisierung betroffenen Mieter in der Gleditschstraße in Berlin-Schöneberg in den vergangenen Monaten vor allem zwei Dinge: jede Menge Papierkram und weitere Klagedrohungen.

Obwohl die Hausverwaltung selbst das Gegenteil angekündigt hat, setzt sie weiterhin auf Konfrontation. Im Juli hieß es in einem Schreiben an die Mietergemeinschaft, dass „in den folgenden Wochen“ das Gespräch gesucht werde „mit allen (…) Mietparteien, die persönliche Härten geltend gemacht haben“. Stattdessen sind offenbar vor allem weitere Klagen angedroht worden. Wer den Austausch seiner Fenster nicht duldet, muss mit einer Klage rechnen; ebenso wer die Modernisierung insgesamt (Aufstockung, Fahrstühle, Fassadendämmung, Zwangsbelüftung etc.) nicht duldet. Persönliche Gespräche, um über die Einwände zu reden und gemeinsam nach einer Lösung zu suchen, gab es nur wenige.

Modernisierungsankündigung Nr. 2 – auch für Mieter auf der Baustelle

Dafür gab es jede Menge Post. Mitte November erhielten anscheinend alle Mieter eine neue, sehr ausführliche Modernisierungsankündigung (Nr. 2). Offenbar landete diese „Ankündigung“ auch bei allen Mietern, bei denen die Bauarbeiten bereits in vollem Gange sind. Die Begründung für die neue Fassung, fast acht Monate nach Nr. 1: „Wir tun dies, da wir aus dem Kreise der Mieter der Wunsch nach weiteren Informationen vernommen haben. Dem kommen wir gerne nach.“ Diese Begründung dürfte nicht ganz vollständig sein. Am Ende des Anschreibens heißt es nämlich, dass „die beigefügte Modernisierungsankündigung als neue Modernisierungsmitteilung gilt, nur für den Fall, dass die alte Modernisierungsankündigung unwirksam sein sollte.“ Auf zahlreiche Mängel bei Ankündigung Nr. 1 deuten auch Auseinandersetzungen vor Gericht hin.

Modernisierungsankündigung Nr. 3 – und welche gilt nun?

Anfang Dezember gab es dann für einzelne Mieter noch eine neue Modernisierungsankündigung (Nr. 3). Wieder enthiehlt das Schreiben neue Fristen – und wieder müssen die betroffenen Mieter über die Duldung entscheiden, gegebenenfalls soziale und finanzielle Härten geltend machen und dafür Mietervereine, Anwälte oder andere Helfer aufsuchen. Besonders für ältere Mieter eine Zumutung. Übrigens: Welche Modernisierungsankündigung nun eigentlich gilt, ist selbst unter Fachleuten umstritten.

Ärger mit der Hausverwaltung? Kein Einzelfall!

Auch wenn es nicht um die Modernisierung geht, sondern beispielsweise um Beitriebs- und Heizkostenguthaben, Schimmel oder andere Mängel, müssen Mieter aus der Gleditschstraße immer wieder Mietervereine, Anwälte und auch Gerichte einschalten. Die Eröffnung eines „Kunden-Kontakt-Centers“ durch die Hausverwaltung im November 2014 hat daran nichts geändert. Eigentlich sollte das zu einer „Optimierung der Servicequalität“ beitragen und eine „kontinuierliche Bearbeitung und Transparenz“ gewährleisten. Doch weder Kundennummer noch „ServiceCard“ oder „kostenloses Service-Telefon“ scheinen für eine wesentliche Besserung gesorgt zu haben.

Ein mieterfreundlicher und für alle Beteiligten konstruktiver Dialog sieht defintiv anders aus. Die Mietergemeinschaft kann daher allen Mietern für Weihnachten nur ein Geschenk empfehlen: Machen Sie sich selbst eine Freude und werden Sie Mitglied in einem Mieterverein, falls Sie es noch nicht sind; inklusive Rechtsschutz schon ab 45 Euro pro Jahr. Über Geschenke in Form von Spenden freut sich übrigens auch die Mietergemeinschaft.

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